Randale

Verfasst am 05. Juli 2017 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 253 views

Wer auf der Suche nach Rockmusik für Kids ist, der wird schnell auf Randale aus Bielefeld stoßen. Denn seit bereits 13 Jahren hat es sich das Quartett in dieser Nische bequem gemacht und liefert reihenweise beinahe konkurrenzlos gute Alben für kleine Musikhörer ab.
In unserem „Metal für Kids“-Spezial haben wir ja bereits auf die Band aufmerksam gemacht. Es wird aber mal Zeit, uns etwas genauer mit Sänger Jochen Vahle zu unterhalten.

Metal-Aschaffenburg: Hi Jochen! Zuerst mal Glückwunsch zum neuen Album „Randale im Krankenhaus“! Darauf komme ich gleich noch zurück. Doch zuerst mal: Ein Interview mit einer Band, die Rockmusik für Kinder macht, ist jetzt nicht unbedingt das, was man bei einem Metal-Webzine erwartet. Aber ihr bekommt aus dieser Richtung bestimmt häufiger Feedback, oder?
Spiel die Metal-Szene für den Erfolg von Randale eine Rolle?

Jochen Vahle: Wir haben von Anfang an über unseren Freund Keule und Finest Noise Promotion die Punk- und Metal-Fanzine-Szene bemustern lassen, weil wir uns sicher waren, dass es noch mehr Menschen gibt, die genauso wie wir musikalisch sozialisiert wurden und jetzt Eltern sind. Also irgendwann vermehrt sich ja auch der Rest der Metalszene und dann MÜSSEN die doch wissen, dass es uns gibt! Wir merken schon, dass bei vielen unserer Konzerte Szenemenschen im Publikum sind. Aber die kommen genauso aus der Ska-, Punk-, Rockabilly- oder sonstwas Szene. Es sind eben Leute, die froh sind, dass es uns gibt.

2016 habt ihr ja sogar auf dem Summer Breeze Festival eine spezielle Show für Kinder gespielt. Dieses Jahr seid ihr erneut dort und spielt eine Alle-Alter-Show für alle Festival-Besucher.
Fand die Show 2016 denn gar nicht auf dem normalen Gelände statt? (Oder weshalb diesmal die Änderung?) Mit welchen Erwartungen geht ihr an diese Show heran?

Die Show 2016 fand im Zirkuszelt direkt am Campingplatz statt und sollte eine Familienshow für die Leute aus der Gegend und aus Dinkelsbühl sein und damit eine Einladung an all die Familien, die sozusagen indirekt Gastgeber für das Summer Breeze sind. Das hat auch ganz wunderbar funktioniert. Die „normalen“ Festival-Besucher fanden aber keinen Einlass, weil sich die Macher vom Summer Breeze gedacht hatten, dass die Mischung aus Familien und leicht angetrunkenen Metalheads nicht so passend ist (was wir beim Thema Alkohol und kleine Fans auch ganz wichtig finden). Allerdings standen dann so viele normale Leute vorm Zelt, die genauso gerne den Punkpanda Peter oder den Hardrockhasen Harald hören wollten, dass wir 2017 eben sowohl eine separate Familienshow als auch eine Alle-Alter-Show auf dem Festivalgelände spielen werden. Und wir sind natürlich sehr gespannt, wie das funktioniert.

Randale machen unüberhörbar Rock. Aber auch Punk, Ska und Pop finden ihren Weg in eure Songs. Und auch wenn z. B. „Tatü Tata – Das Feuerwehrlied“ schon ein bisschen wie Manowar stampft – so richtig Metal-mäßig (wie z. B. eure finnischen Kollegen von Hevisaurus) auf die Pauke hauen traut ihr euch aber (noch) nicht, oder? Oder anders gefragt: Könnte Metal-Meerschwein Max in Zukunft bei Punkpanda Peter und Hardrockhase Harald einziehen?

Wir setzen uns ganz bewußt keine Stilschranken. Das ist das Geile bei Randale, wir können immer machen, was wir wollen. Und da wird es bestimmt auch in Zukunft noch jede menge Metal- und Punknummern geben. Aber in einem normalen Randalekonzert macht das echt keinen Sinn, das lebt von der Vielfalt und der Abwechslung. Sonst macht es keinen Spaß.

Welche (Metal-) Bands haben euch denn musikalisch sozialisiert und inspiriert? Und welche hört ihr aktuell gern?

Das ist für uns als Gesamtheit gar nicht zu beantworten. Das ist bei jedem von uns verschieden. Marc (Gitarre) hört viel hartes Gebolze und die Favoriten sind bestimmt Slayer und aktuell Amon Amarth. Garrelt (Schlagzeug) ist absoluter AC/DC-Fan und trommelt auch bei den Big Balls, einer  der angesagten deutschen AC/DC-Coverbands und steht ausserdem auf Van Halen. Christian (Bass) kann mit Metal eher weniger anfangen und steht mehr auf Indierock und Punk. Ich (Jochen/Gesang) höre auch viel AC/DC, aber auch die Ramones, Rage Against The Machine, die Suicidal Tendencies und Iron Maiden…

Musik für Kinder, die von Erwachsenen gemacht wird, ist oft textlich seltsam billig angelegt. Als ob Kinder ausschließlich simpel gestrickte Kehrreime verstehen. Bei euch fällt mir positiv auf, dass eure Texte die Kids ernst nehmen und durchaus aus „Erwachsenenvokabular“ bestehen.
Warum denken Erwachsene oft, dass man mit Kindern anders sprechen muss, als mit Gleichaltrigen und „Kindermusik“ vermeintlich auf ein „niedrigeres Niveau“ herunterbrechen muss?

Das wollten wir von Anfang an vermeiden. Unsere Texte sind zwar auch mal albern oder Nonsens, aber immer so, dass man als Erwachsener nicht kotzen muss. Da gibt es in der Kindermusik wirklich ganz schlimme Sachen. Die beleidigen Herz und Hirn. Und wir sind ganz glücklich mit der Tatsache, dass es uns scheinbar gelingt, das besser zu machen. So sind jedenfalls die Rückmeldungen die wir bekommen. „Danke, dass es euch gibt“ hören wir öfter, das freut uns immer sehr.

Quatsch muss natürlich immer mal sein (und ist bei euch ja auch nicht ausgeschlossen), aber speziell auf „Randale im Krankenhaus“ widmet ihr euch zum ersten Mal einem etwas ernsteren Thema.
Wie ist denn die Idee entstanden, dem Thema Krankenhaus (-aufenthalt von Kindern) ein ganzes Album zu widmen?

Wir haben durch unsere Arbeit immer öfter den Kontakt mit kranken Kindern gehabt. Sei es durch die Konzerte für die Kinder-Schlaganfall-Hilfe oder durch Auftritte in der Kinderklinik Bethel. Es gab auch immer mehr Mails oder Gespräche, in denen uns Eltern gesagt haben, wie sehr ihren Kindern bei einer Erkrankung unsere Musik geholfen hat, die schlimme Zeit durchzustehen. Dann gabe es eine ernsthafte Krebs-Erkrankung im engeren Familienkreis und speziell ich dachte immer, wieviel schlimmer es wohl wäre, wenn eins meiner Kinder sowas erleben müsse. Und Kinder sind ja auch total verängstigt, wenn es „nur“ ein Blinddarm oder ein Bruch ist. Die Angst schwingt immer mit. Da dachten wir uns, lustige Lieder über Tiere, Punks und Metal hin und her, wir müssen mal was wirklich Sinnvolles machen und dann entstand diese Idee. Und die Umsetzung ist ja gar nicht so ernst geworden… sie soll ja Mut machen!

Zum Schluss noch etwas Anderes: Mit eurem Label Newtone (www.Newtone.de) veröffentlicht ihr neben den Randale-Sachen auch spezielle Regio-Sampler mit Bands aus eurer Heimatstadt Bielefeld.
Wie steht es denn um die aktuelle Musikszene dort? (Mir fallen im Metal-Bereich spontan Eïs und Xandria ein)

Bielefeld hatte immer schon ein total aktive Musikszene, das geht bis in die 60er zurück. Kaum jemand weiß zum Beispiel, das Status Quo am Anfang ihrer Karriere längere Zeit in Bielefeld gewohnt haben und von hier aus dann durchgestartet sind. Jochen Diestelmeyer (Blumfeld) kommt aus der Stadt, in den 90ern gab es Bands wie N-Factor, die Hip Young Things oder Dead Mould. Es gibt immer wieder Bands, die ordentlich abrocken und einige Jahre ihren Weg gehen. Da seien die „Soundz Of The City“-Sampler wirklich jedem ans Herz gelegt. Xandria sind da ein ganz wichtiges Beispiel. Und dass Casper auch aus Bielefeld kommt, das wissen wohl wirklich mittlerweile alle.

Vielen Dank für das Interview, Jochen!

(mk)

Randale haben uns zwei Shirts und zwei CDs zur Verlosung zur Verfügung gestellt. Schaut mal hier hin und macht mit!

www.Randale-Musik.de

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