To Rock!

Verfasst am 30. Oktober 2009 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.020 views

Endstille | Vorbands: Darkness Ablaze, Hollenthon, God Dethroned

24.10.2009 – Turock, Essen

Ich habe mich im Vorfeld nicht nur auf das tolle Tourpaket, sondern auch darauf gefreut, endlich einmal den Essener Kult-Schuppen Turock zu sehen. Dieser entpuppt sich zwar als kleiner als erwartet, aber dennoch mit einer Menge Charme. So kann man Konzerte dort auch von einer Loge aus mitverfolgen oder sich in die in der zweiten Etage gelegenen kleinen Bar zurückziehen. Davon machen heute jedoch nicht viele der Anwesenden Gebrauch – sind doch schließlich die meisten wegen der Musik hier – und Bier gibt´s schließlich auch „Unten“.

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Die Ludwigsburger Darkness Ablaze haben die schwere Aufgabe, den anfangs noch spärlich besuchten Club aufzuwärmen. Die teils wilde Mischung aus Finntroll, Black-, Death- und typischem In-Flames-Göteborg-Sound wirkt aber noch fahrig und unfokussiert. Der Funke springt deswegen erst gegen Ende des halbstündigen Gigs über.
Hollenthon sind da schon ein ganz anderes Kaliber. Die sympathischen Österreicher um Frontmann Martin Schirenc kämpfen zwar mit verwaschenem Sound (die Samples bleiben bis zum Schluss leider nur gar nicht bis schlecht hörbar), glänzen aber mit Engagement und tollen Songs. Neben Klassikern wie „Son Of Perdition“ oder „Woe To The Defeated“ stellt das Quartett aus Wien auch zwei Stücke von der neuen EP „Tyrants And Wraiths“ vor, die mächtig Dampf machen. Leider ist nach einer knappen Stunde auch schon wieder Schluss. Nicht nur ich hätte gerne etwas mehr von dieser völlig eigenständigen Welt Hollenthons gehört.

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God Dethroned haben mich auf dem Summer Breeze dieses Jahr sehr enttäuscht. Trotz des starken „Passiondale“-Materials kam bei dem Auftritt fast keine Stimmung auf (was natürlich auch daran lag, dass die Band früher als geplant spielen musste), suboptimale Setlist, der Sound war verwaschen und die Band wirkte müde. Der heutige Auftritt stellt die spiegelbildliche Wiedergutmachung dar. Es passt alles: druckvoller Sound, erstklassige Songauswahl und Spielfreude pur. In dieser Form sind die vier Holländer(-innen) nicht aufzuhalten und verpassen allen Anwesenden im Turock einen fetten Tritt in den Hintern. Mit Granaten wie „Hating Life“, „Nihilism“, „Warcult“ oder „Villa Vampriria“ metzelt das Quartett alles nieder und setzt die Messlatte enorm hoch. God Dethroned liefern für mich heute einer der besten Auftritte des gesamten Jahres!

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Die Frage, wie Endstille ohne Aushängeschild Iblis zurechtkommt, beschäftigt viele der inzwischen etwa 200 Fans. Nachdem kurzfristig Mannevond (Koldbrann) für einzelne Gigs ausgeholfen hat, haben die Kieler haben mit dem Mexikaner Lugubrem (Mordskog) jemanden gefunden, der (vorübergehend?) das Mikro übernimmt. Es wird aber schnell klar, dass er zu keiner Sekunde die großen Fußstapfen von Iblis füllen kann – er wirkt eher als Fremdkörper. Dieses Manko färbt auf die Ganze Band ab und macht aus dem ehemals bedrohlich wirkenden Raubtier ein zahmes Lamm. Als ob das noch nicht reicht, beschränken sich Endstille heute auch noch auf eher gebremste Stücke und verlieren dadurch auch noch die rasende Aggression, die sonst die Geschmäcker spaltete. Schade – denn so haben Endstille viel von ihrem Reiz verloren und wirkten belanglos und austauschbar. (mk)

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