Völlig Irre

Verfasst am 05. Juli 2008 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.317 views

Meshuggah | Vorband: Last Mile

03.07.2008 – Colos Saal, Aschaffenburg

Tag 2 des Colos-Saal-Triathlons. Disziplin: Technischer Death Metal.

Man bekommt nicht oft die Gelegenheit, die schwedischen Frickelmeister auf einer Bühne bewundern zu können. Die Vorfreude ist deshalb dementsprechend groß. Allerdings kann einem auch niemand sagen, wie die vertrackten Werke Meshuggahs live wirken. Bevor diese Frage beantwortet wird, können sich die geneigten Zuhörer der dänischen Band Last Mile widmen. Das Quartett ist die neue Spielwiese von Ex-HateSphere-Brüllwürfel Jakob Bredahl, der hier allerdings als Gitarrist tätig ist. Seine markante Stimme beschränkt sich in seinem neuen Tätigkeitsfeld auf ein paar kleine Shouts – statt dessen schreddert er wie wild fette Hardcore-Riffs auf seinem Instrument. Denn soviel Appetit der Name HateSphere zuvor gemacht hat. Nach spätestens vier Songs ist klar, warum der Däne seine Ex-Band verlassen hat: HateSphere machen immer mehr Metal. Bredahl spielt jetzt reinrassigen Hardcore à la Born From Pain oder Hatebreed. Das alles ist nicht so ganz meine Baustelle, aber zumindest sauber, energisch und mit viel Spaß an der Sache gespielt.

Nach einer kurzen Umbaupause wird es Zeit die bereits erwähnte Frage noch mal zu stellen: Können Meshuggah ihre Songs livetauglich umsetzen? Die Antwort: Ja, sie können. Und wie!

Was auf Platte oft kalt und distanziert klingt, kommt nun dermaßen fett aus den Boxen geknallt, dass es eine Freude ist. Die Bass- und Axtfraktion ist fast permanent am Synchronbangen, während Sänger Jens Kidman mit stoisch-mechanischen Bewegungen den ruhigeren Fixpunkt auf der Bühne bietet. Der Sound ist glasklar – jede Einzelheit der aus den Achtseitigen gelockten Tönen und Riffs kommt treffsicher im Ohr an. Die komplexen Songs wirken im Live-Kontext plötzlich vollkommen anders. Zwar ist teilweise immer noch nicht nachvollziehbar, was die fünf Schweden da produzieren, aber es funktioniert Bestens – was man an den euphorischen Reaktionen der Fans ablesen kann. Dann ist plötzlich Schluss. Keine Zugabe, kein Pardon. Schluss nach 60 Minuten – da wäre schon noch was drin gewesen.

Die vertrackten Riffs klingen aber noch eine Weile im Kopf nach. (mk)

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