Traffic Jam Open Air 2026
Verfasst am 19. Juli 2026 von Michael Klein (Kategorie: Aktuelles, Konzert-Rezensionen) — 47 views17. & 18.07.2026 Dieburg
Kaum zu glauben – aber ich habe es zum ersten Mal aufs Traffic Jam geschafft – obwohl ich in all den letzten Jahren immer nur Gutes vom Festival gehört habe.
Es ist den Machern hoch anzurechnen, dass neben echten Szenegrößen (u.A. Heaven Shall Burn, Skindred, Sick Of It All oder Soulfly) schon immer viele regionale Bands die Chance bekommen haben, dort aufzutreten. So sind es auch 2026 Local Heroes, die das Festival eröffnen und bereichern dürfen.

Precipitation
Den Auftakt machen Precipitation, zu deren ersten Tonen passenderweise Regen einsetzt. Der bleibt jedoch mehr Showeffekt als echter Nässebringer. Da hinterlassen die fetten Riffs und Melodien der Babenhausener deutlich mehr Spuren beim Publikum. Die „Precis“ sind wie immer eine Bank und absoluter Garant für hochklassigen Prog-Melo-Death im ganz eigenen Style. Das drückende und tonnenschwere „Hypothesis“ wird direkt zum ersten großen Highlight des Festivals – und das abschließende „Cosmic“ ist ohnehin unschlagbar!

Failed Star
Es folgt ein sympathischer und überzeugender Auftritt der Mainzer Failed Star, die unter Anderem auch das Material ihrer jüngsten EP „II: Darkness & Despair“ souverän auf die Bühne bringen.
Nicht nur das Vocal-Duo Moe (sehr charmant in Precipitation-Shirt!) und Jessica liefert dabei eine bärenstarke Performance.
Stücke wie „Atlantis“ oder „The Mandalorian“ erinnern mich vielfach an die (inzwischen wieder reformierten) Deadlock. Und wer nach dem BMTH-Cover „Shadow Moses“ als drittem Song trotzdem keinen Stimmungsabfall verzeichnen kann, der hat nicht nur einen spaßigen Lichtschwert-Moshpit, sondern auch jeden Applaus redlich verdient!
Bucketlist waren mir bisher noch kein Begriff. Die Braunschweiger legen jedoch einen erfahrenen und professionellen Gig hin. Der moderne und melodische Metalcore findet schnell sein Publikum – auch wenn mir der Sound des Quintetts etwas zu glatt und poliert ist. Langeweilig wird es aber nicht: In „Now Or Never“ klingen Southern Rock Vibes durch (im Publikum sagt jemand: The Boss Hoss im Metalcore-Gewand) und „Awake The Monster In Me“ wird elektronisch unterfüttert. Solide Show.
Waves Like Walls treffen anschließend wohl den Nerv der Besucher. Vor der Bühne ist richtig was los – inklusive Moshpits und Crowdsurfern. Der klassische Hardcore zimmert ziemlich auf die Fresse und drückt sogar einen heftigen Schauer aus den Wolken über dem Festival. Der Stimmung tut dies keinen Abbruch – so dass die Band aus Ingolstadt mehr als zufrieden sein kann.

Leyka
Egal wo Leyka auftreten, reißen sie die Bühne ab. Dass Sänger Tom aktuell im Rollstuhl sitzt, tut der Spielfreude der Band keinen Abbruch und wird von Bassist Philipp einfach mit 100 zusätzlichen Bühnenkilometern locker kompensiert. Unfassbar Kurzweilig. Enorm spaßig.

Humankind
Entgegen dem energetischen Chaos-Feuerwerk von Leyka wirken die folgenden Humankind beinahe wie mit Handbremse agierend. Stimmt natürlich nicht, aber die Show der Frankfurter ist schon eher durch Kontrolle, Perfektion und professionelle Routinen geprägt. Der dunkelschwarze Hochglanz stößt deshalb nicht überall auf bedingungsloses Gefallen. Auch wenn man der Band rund um Maria von Revolution Eve und Doemsen von Enemy Inside eigentlich keinen Vorwurf machen kann.
Das gilt auch für das sehr schön gemachte Billie Eilish-Cover „Lovely“ mit Nastasja von Enemy Inside als Gast auf der Bühne. Alles zu perfekt? Ja, vielleicht?
Abends stehen dann noch Dead Phoenix und Enemy Inside als Headliner auf der Bühne, die ich aus Zeitgründen leider nicht mehr anschauen kann.
Als ich am Samstag Mittag auf dem tollen Festivalgelände ankomme, lausche ich noch den letzten Songs der Mannheimer Wave Off und derem „Love Drunk Indie Punk“. Passt zum sonnigen Wetter.

Alexodus
Alexodus lassen im Anschluss entgegen dem Bandnamen keine Endzeitstimmung aufkommen, sondern stimmen eher melodisch-hoffnungsvolle Töne an. Der wilde Mix aus Alternative, Skate-„Punk“, Rap, Metalcore und vielen Elektro-Sound-Effekten ist mir persönlich etwas zu zerfahren, findet aber Anklang im inzwischen ganz gut gefüllten Infield.
Die technischen Probleme und PA-Aussetzer lächelt die Band zwar sympathisch weg – ärgern dürften sich die Hamburger aber dennoch.
Technische Probleme haben Generation.F keine, so dass der gefällige, melodische Post-Hardcore störungsfrei die Meute vor der Bühne erreicht, die durchaus Spaß mit dem Sound der Saarbrückener hat.
Nach so viel Melodie hätte ich jetzt aber Bock auf ein bisschen vertonte Gewalt…
Meine Hoffnungen liegen also bei Nivo – werden aber leider nicht erfüllt.
Ich weiß nicht, ob es den anderen Besuchern auch so geht oder ob es an der inzwischen ordentlichen Hitze liegt – aber vor der Bühne ist zu Beginn ziemlich wenig los. Selbst das Linkin Park-Cover „Crawling“ und die andauernden Animationsversuche können da nur wenig ändern, so dass mir das Stuttgarter Trio fast ein wenig leid tut. Die abschließende Wall Of Death stimmt jedoch versöhnlich und zeigt, dass die Band am Ende doch ihr Publikum gefunden hat.

Averea
Averea habe ich zuletzt als Opener beim Aschaffenburger FemFest der Heavy Grounds gesehen. Dort haben sie einen formidablen Eindruck hinterlassen – den sie heute mehr als bestätigen.
Die Spielfreude der Kulmbacher ist ansteckend, die Vocals von Georgie Chapple sind überragend und die Songs der Band veritable Ohrwürmer.
Das sehen auch die Besucher des Traffic Jam so, füllen den Platz vor der Bühne ansehnlich und beweisen sich beim abschließenden „Blind“ als lautstarke Unterstützung. Das nennt man wohl einen Triumphzug!
Throatcut. schlagen danach mit voller Wucht in die Kerbe, die am Vortag von Waves Like Walls mit grober Gewalt initiiert wurde. Derber Hardcore, der für ordentlich Bewegung sorgt und von den Besuchern amtlich abgefeiert wird. Die Heilbronner müssen nicht viel dazu beitragen, dass das Traffic Jam in Schwung kommt. Geil!
Pünktlich zum Beginn von Artemis Rising setzt dann ein kurzer Regenschauer ein. Der Wirkung der EDM-Metalcore-Gewalt tut dies keinen Abbruch und lässt das Quartett (begelitet von einer coolen Lightshow) seinen akustischen Abriss von lautstarkem Applaus begleiten.
Im Anschluss stehen noch Howl Like Wolves und Ankor auf der Bühne, die das Festival gebührend abschließen.
Was für ein cooles Event!
Ein großes Shout Out an die Macher des Traffic Jam, die dieses wundervolle Festival Jahr für Jahr auf die Beine stellen! Wenn ich mich nicht täusche, dann steht 2027 ein Jubiläum an – ich werde garantiert wieder dabei sein!
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