Der Lump geht um

Verfasst am 04. November 2009 von Michael Klein (Kategorie: Interviews) — 1.799 views

Ein Interview mit La Revolta

Seit über zwei Jahren kann sich die Aschaffenburger Musikszene damit rühmen ein neues Genre hervorgebracht zu haben: Lumpenmetal. Metal-Aschaffenburg.de sprach mit den Gründern dieser Stilrichtung: La Revolta.

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Metal-Aschaffenburg: Zuerst einmal: Was muss man sich denn unter „Lumpenmetal“ vorstellen?

La Revolta: Diesen musikalischen Stil haben wir uns selbst verpasst – Somit wohl auch einzigartig in diesem Genre.
„Lumpenmetal“ ist eine Verschmelzung zwischen unseren musikalischen Erfahrungen und natürlich dem, was wir in unserer Freizeit am liebsten hören. Chrissi (Git.) und Kraatzi (Drums) kommen aus dem Black Metal Sektor und haben wohl die größte musikalische Erfahrung. Fleck (Bass) und Addy (Git.) haben schon mal in einer College Punk Band gespielt. Und Oli (Voc.) fällt schon seit seinem 12. Lebensjahr regelmäßig auf Metalkonzerten rum, u.a. auch auf dem legendären „Monsters Of Rock“ in den 80er & 90er Jahren.
Aus Allem ist unsere Backmischung „Lumpenmetal“ entstanden und diese Rezeptur wird natürlich ständig verbessert. Textlich werden wir auch in Zukunft das ein oder andere Mal eine Zeitreise machen und uns in früheren Jahrhunderten befinden. Also Ritter, Hexen, Zauberer, Piraten, Cowboys usw. ist wohl alles möglich.

Es gibt euch ja schon seit längerer Zeit. Sind die Stücke eures Demos „Lumpenmetal“ aus Anfangstagen oder neu?

Eigentlich war der Plan nur ältere Lieder aufzunehmen. Doch Anfang des Jahres verließ uns unser Schlagzeuger und Gründungsmitglied Andreas und die alten Songs bekamen durch unseren neuen Mann am Schlagwerk einen neuen Anstrich: mehr Doublebass und insgesamt Metal-lastiger. So fielen dann auch die neuen Stücke aus. Mehr Abwechslung, härter und viel runder. „Die Eins“ und „Der Lump“ sind ältere Stücke und die anderen 3 sind erst kurz vor unseren Aufnahmen fertig geworden. Das haben wir bewusst so gemacht um zu zeigen, dass sich eine musikalische Wandlung bei uns vollzogen hat.

Wie entsteht bei euch ein typisches Stück Lumpenmetal?

Da gibt es eigentlich 2 Methoden. Die 2 Gitarristen haben ein paar neue Riffs, dann baut man Schlagzeugparts mit ein und zum Schluss schaut man nach, ob ein Text dazu passt. Oder Oli hat ein Text mit der passenden Melodie dazu im Kopf. Die summt er dann solange vor, bis die anderen ungefähr wissen, wie sich das Ganze am Ende dann anhören soll. Letzteres ist immer total lustig und macht jede Menge Spaß. So ist übrigens auch „Die Reiter“ entstanden.

Welche Bands beeinflussen euren Sound?

Diese Frage bekommt wohl fast jede Band gestellt. Und auch wir antworten wie alle anderen. Nämlich, dass wir versuchen unsere eigene Suppe zu kochen um uns von allen anderen abzuheben. Es kommt schon mal vor, dass wir uns von anderen Bands einen geilen Part anhören und uns dann vornehmen, diesen so ähnlich in eines unserer Stücke einzubauen. Das machen wir aber nicht gezielt, sondern wenn wir am Proben sind und nebenbei in den Pausen Musik hören. Ist aber bis jetzt immer verworfen worden weil wir dann wieder eigene Ideen haben und die dann gleich versuchen umzusetzen. Also bis jetzt ist alles made by La Revolta.
Privat hören wir eigentlich alles was es auf dem Metal-Markt so gibt. Wir sind eigentlich offen für jeden Musikstil. Wir haben ja auch schon mit den verschiedensten Bands gespielt, wo unser Stil eigentlich nicht so dazu passt. Aber wir denken, dass es die Mischung macht und so lernt man auch die unterschiedlichsten Leute kennen. Im Moment macht das einfach nur so richtig viel Spaß.

Woher kommt denn das Faible für den dezenten Piraten-Einschlag?

Das bezieht sich im Moment nur auf unser Bandlogo und das aktuelle Cover unserer EP. Allerdings arbeitet unser Multitalent „Kraatzi“ im Moment an einem richtigen Piratensong seit dem er Bands wie Alestorm & Swashbuckle für sich entdeckt hat. Und Running-Wild-Fans sind wir sowieso. Der Song wird dann den Titel „Rock`n Roll Pirates“ tragen und wir sind total gespannt wie der sich dann am Ende anhören wird. Textlich wird noch nix verraten, aber jeder der eine Schwäche für diese Epoche hat, wird sich in diesem Song wieder finden. Das versuchen wir auch in unseren andern Stücken rüberzubringen. Jeder soll irgendwie ein Teil vom Lied sein. Ist aber alles nicht so einfach, wenn man deutsche Texte schreibt.

Euer Konzert im JuKuz wurde ja unfreiwillig zum „Stadtskandal“. Wie kam es denn dazu?

Danke erst mal, dass wir uns dazu noch mal öffentlich äußern dürfen!
Es wurde behauptet, dass sich auf unserem Werbematerial für das Event im JuKuz ein Tätowierer befand, der angeblich dem rechten Spektrum zuzuordnen war. Unser Gitarrist und Bassist gehen ins Tattoostudio dieser Person und haben dort noch keine Anzeichen gesehen, dass dieser Laden etwas mit den Rechten zu tun hat. Was der Betreiber privat macht, entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls gingen diese Vorwürfe – dass bei der Veranstaltung angeblich gaaaanz viele Nazis anwesend sein würden – bis hin zum Staatsschutz und zum Oberbürgermeister. Dann wurde noch das Ordnungsamt und sogar die öffentliche Presse darüber informiert. Wir hatten das JuKuz allerdings schon im Juni für dieses Konzert angemietet und dem Musikbüro alle Infos der Bands mitgeteilt, die dort aufgetreten sind. Diese wurden auch sorgfältig unter die Lupe genommen und es gab vom JuKuz aus keine Bedenken, dass wir die „Hell Night“ nicht veranstalten dürfen. Auch alle anderen oben genannten Behörden gaben grünes Licht und alle Vorwürfe waren für uns damit vom Tisch. Letztendlich verlief das Event auch so, wie wir das von Anfang an geplant hatten. Und hätte uns mal jemand direkt darauf angesprochen, hätten wir alle Zweifel im Vorfeld aus dem Weg geräumt. Es bleibt zwar ein fader Beigeschmack, aber wir schauen nach vorne und wollen die Hörer mit unserer Musik überzeugen und beeindrucken, dass solche leeren & hirnlosen Phrasen in Zukunft erst gar keiner mehr Glauben schenkt.

Wer hat denn den schicken Totenkopf entworfen, der auf eurer Website und auf der Demo zu sehen ist?

Den „Belzebob“ – so nennen wir ihn – hat der Mike vom Tattoo You in Aschaffenburg gezeichnet. Oli geht schon seit Jahren zum tätowieren zu Mike, dadurch kamen wir dann auch zu unserem Bandlogo. Wir haben ungefähr gesagt wie wir es haben möchten, und das kam dann letztendlich dabei raus. Einfach nur geil!

Wo seht ihr La Revolta in der Zukunft?

Wer weiß schon was die Zukunft bringt! Morgen kann alles schon vorbei sein. Deshalb versuchen wir jeden Tag im Leben Spaß zu haben, es könnte nämlich der letzte sein. Also wir denken da nicht großartig voraus. Natürlich haben wir uns ein paar Sachen vorgenommen, aber wir lassen da alles gechillt auf uns zu kommen.
In erster Linie wollen wir mit unserer Musik und natürlich mit uns selbst weiterhin so gut klar kommen wie jetzt im Moment. Dann haben wir ja auch noch unsere Familien und Kinder. Die dürfen ja auch nicht auf der Strecke bleiben. Wir sind jetzt dabei neue Songs zu schreiben um in ein Studio zu gehen um diese dann professionell aufzunehmen. Wenn möglich das Ganze über ein Label. Das peilen wir aber erst in 1-2 Jahren an. Wir wollen uns da nicht unter Druck setzen.
Außerdem wollen wir 2010 natürlich Gigs spielen – u.a. auch ein paar kleinere Festivals. Verhandlungen sind da bereits am Laufen. Im September nächsten Jahres wollen wir die Hell Night in Aschaffenburg auf 2 Tage ausbauen – daraus wird dann das Hell Festival.
Außerdem veranstalten wir 2010 bereits zum vierten mal das Rock Sau Festival in Sailauf. Die Hauptacts hierfür stehen bereits und ab November gibt es die ersten Infos hierzu unter www.MySpace.com/RockSauFestival.
So in etwa sieht der Plan für La Revolta aus. Und sofern nicht die vier Reiter über uns hereinziehen, sieht es gut aus für das Gesindel (ha ha). Stay Heavy, Stay Metal, LA REVOLTA.

Danke für das Interview!
(mk)

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