Therion | Vorbands: Soundstorm, Coma, Arkona

Verfasst am 27. Dezember 2013 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.424 views

22.12.2013 – Batschkapp, Frankfurt am Main

Das ist sie also. Die neue Batschkapp. Nun – eines ist sicher: Sie wird die Meinungen spalten. Denn vom einstigen „Charme“ ist nichts, rein gar nichts übrig geblieben. Die nagelneue Industriehalle riecht noch nach Farbe und glänzt an allen Ecken und Enden. Der alte, verwinkelte und bunte Club ist nun eine praktische Veranstaltungshalle, bei der eindeutig die Funktionalität im Vordergrund steht. Was für die vielen Konzerte die dort stattfinden sicherlich seinen Sinn macht. Eine Seele (auch wenn sie noch so dreckig war) hat der Club nun aber nicht mehr. Manche werden diese vermissen – andere freuen sich nun über die neuen, technisch hochwertigen Konzert-Bedingungen vor Ort.

Therion haben sich mit dem 22.12. nicht gerade den optimalen Tag für ihr Stelldichein in Frankfurt ausgesucht. Nur 20 km weiter spielen zeitgleich Rage mit ihrem Lingua Mortis Orchester in Langen auf, was die potenzielle Fanschar ziemlich stark aufteilen dürfte. Trotzdem haben es ca. 200 Neugierige in den (von Aschaffenburg aus nun deutlich besser zu erreichenden) Club geschafft.

Als eine halbe Stunde vor (lt. Homepage der Batschkapp) offiziellem Beginn Soundstorm die Bühne betreten, vertreiben sich die meisten der Anwesenden aber noch die Zeit im Vorraum, am Merchstand oder an den Bars. Ein paar Handvoll Leute erfreuen sich an den keyboardlastigen, high speed Power-Metal-Nummern der Italiener. Rhapsody (of Fire) & Co. lassen grüßen. Auch wenn die Musiker ihre Instrumente durchaus fingerfertig bearbeiten, bleibt am Ende kein bleibender Eindruck. Die Männer mit Dame stehen stellenweise fast hilflos auf der Bühne und erneten nicht mehr als Höflichkeitsapplaus. Dazu bleibt kein einziger Song hängen – was bei dieser Art Musik fatal ist. Denn wenn schon Power Metal, dann bitte auch mit griffigen Refrains und schmissigen Songs.

ComaDanach folgt Stilbruch Nr.1. Statt Italo-Stahl nun groovige Sounds von Polens größter Rock-Band! Hierzulande sind Coma aber noch ein vollkommen unbeschriebenes Blatt. Doch mit schräger Performance und der geballten Routine aus über 15 Jahren Bühnenerfahrung gelingt es dem Quintett sofort, die scheuklappenfreien Besucher mitzureißen. Die Songs sind dabei irgendwo zwischen Faith No More, Rage Against The Machine, Pearl Jam, System Of A Down und Creed angesiedelt und können ausnahmslos überzeugen. Ein überaus starker Auftritt!

Arkona müssen im Anschluss sichtlich mehr um ihr Publikum kämpfen als sie es von Pagan- und Heidenfesten gewohnt sind. Zwar stehen auch einige Hobbywikinger vor der Bühne, ein Großteil der Anwesenden feiert den Pagan Metal der Russen aber nicht spontan bedingungslos ab. Dank viel Einsatz und großer Live-Routine der Band um die hyperaktiv herumwirbelnde Mahsa „Scream“ können Arkona aber Stück für Stück ein paar Hände mehr gewinnen und sich nach ca. 45 Minuten unter dankbarem Applaus von den Frankfurtern verabschieden. Ein Arbeitssieg.

TherionAls nach satten zwei Stunden vollem Therion-Programm um kurz nach Mitternacht die Lichter auf der Bühne erlöschen, blickt man in außerordentlich zufriedene Gesichter. Das ist nicht selbstverständlich, denn seit nunmehr 10 Jahren (sprich seit „Sirius B“/„Lemuria“) zeigt die Formkurve der Schweden auf Platte stark nach unten. „Gothic Kabbalah“ und „Sitra Ahra“ waren schließlich beide keine Sternstunden. Dazu hat die Formation um Christofer Johnsson mit dem äußerst schrägen, aktuellen Konzeptwerk „Le Fleurs Du Mal“ auch noch einen krassen Fan-Szene-Spalter im Gepäck. Entsprechend hoch war die Neugier, wie die Setlist von Therion heute ausfällt. Nun – es wurde für alle eine Überraschung. Songs von „Gothic Kabbalah“, „Sitra Ahra“ und „Le Fleurs Du Mal“? Fehlanzeige! Stattdessen: Das 1998er „Vovin“ in voller Pracht plus Klassiker vom Schlage „Asgård (The Bifrost Bridge)“, „Flesh Of The Gods“, „Invocation Of Naamah“ und natürlich „To Mega Therion“. Die finale Zugabe „Lemuria“ ausgeklammert war also kein Song neuer als 12 Jahre!
Mitten im Set gab es – als kleinen Break zwischen den old-school-Krachern – einige Ausschnitte der kommenden Rock-Oper zu hören, an der Johnsson gerade arbeitet. Diese wurden mit derselben Spielfreude des Ensembles dargeboten wie der Rest. Wer nach diesem Konzert noch irgendwelche Zweifel am Status der Band hatte, dem war dann auch nicht mehr zu helfen. Therion sind auch in der aktuellen Besetzung eine Macht! (mk)

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