Rock Hard Festival 2013

Verfasst am 23. Mai 2013 von Michael Klein (Kategorie: Festival-Rezensionen) — 4.073 views

Rock ’n‘ Hard

Drei Tage blieb es trocken, trotz Regenmeldung und Niederschlagswahrscheinlichkeiten von 90 %. Ab Mitte Samstag wurde es sogar sonnig und angenehm. Beste Voraussetzungen also für eines der schönsten und entspannendsten Festivals Deutschlands.
Wie jedes Jahr hat das Rock-Hard-Team ein feines Händchen für ein erlesenes, abwechslungsreiches Billing ohne Flops – und wie jedes Jahr wissen dies die 7000 Gäste zu schätzen, die hier wirklich alle wegen der Musik kommen.
Dazu wieder die über alle Maßen begeisternde, freundliche Security, nette Thekenkräfte, super Stimmung und durchgehend guter bis hervorragender Sound vor der Bühne. Was will man mehr? Nichts! Vielen Dank dafür!

 Rock Hard

Freitag, 17.05.2013

Den Auftakt machten dieses Jahr Hellish Crossfire, die mit ihrer rabiaten Mixtur aus Black und Thrash Metal bereits eine ganze Schar vor die Bühne lockten. Fans dieser Spielart kamen Anno 2013 besonders gut auf Ihre Kosten. Mit Denial Of God, Desaster und Gospel Of The Horns standen in den nächsten Tagen noch drei weitere, ähnlich gelagerte Bands auf dem Billing. (mk)

Ganz im Gegenteil: Fleshcrawl. Diese waren und blieben die einzige reinrassige Death-Metal-Band des Festivals. Entsprechend begeistert wurde die Truppe (nach ihrer zwischenzeitlichen Pause) jedoch aufgenommen und von den Todesbleijüngern abgefeiert. Bei Hymnen vom Kaliber „Flesh Bloody Flesh“ & Co. aber auch kein Wunder. (mk)

Audrey Horne

Audrey Horne

Denial Of God – als Ersatz für die absagenden Nachtmystium gebucht – entpuppten sich danach als überraschend starker Ersatz. Die Dänen steigerten sich von Song zu Song und konnten bis zum finalen „Black Dethe“ eine erstaunliche Menge Hörner im Amphitheather für sich gewinnen. (mk)

Nun waren unsere persönlichen Headliner, Audrey Horne, an der Reihe. Die sympathischen Norweger, die größtenteils aus den härteren Riegen kommen (Enslaved, Sahg, Ov Hell) bestachen durch die immense Spielfreude, durch perfekte Gitarrenarbeit und Posing und natürlich starken Gesang. Den ganzen Auftritt über gaben die Jungs Vollgas und zogen das Publikum in ihren Bann und zum ersten Mal an diesem Tag gab es unaufgeforderte Sprechchöre. Geiler Scheiß! (mat)

Ashes Of Ares

Ashes Of Ares

Einen sicherlich schweren Job hatten die Jungs um Matt Barlow, Ashes Of Ares, denn es war ihr erster Auftritt überhaupt und sie haben noch keine CD veröffentlicht. Demzufolge kannte noch fast niemand das Material der Band, dennoch durften sie schon Co-Headliner am ersten Tag sein. Sichtlich nervös spielten sie ihr eher durchschnittliches Set mit einigen Holperern runter, aber spätestens als die Sprechchöre Matt Barlow huldigten, gewannen die US-Amerikaner mehr Sicherheit und gaben die Energie dem reichlichen Publikum direkt zurück. Einige Gäste beschwerten sich über die langen Song-Ansagen, aber irgendwie muss man ja die Stunde Auftritt mit nur einem (kommenden) Album füllen. (mat)

UDO

U.D.O.

Der gute alte Udo durfte den ersten Abend des wunderschönen Rock-Hard-Festivals beschließen und das völlig zu recht. Mit einem starken Sound haute er dem Amphitheater Klassiker und neue Songs ins Gesicht und die Fans feierten die Heavy-Metal-Ikone. Die Lightshow wurde durch massenhaft Scheinwerfer im Hintergrund ordentlich aufgepeppt, während Udo dazu charakteristisch mit dem Fuß stampfte. Nervig waren jedoch die übertrieben langen Gitarrensoli, die nicht einmal sonderlich kreativ oder gut waren, doch vermutlich brauchten die restlichen Musiker und vor allem Udo, wohl einige Pausen. Schließlich sind sie nicht mehr die Jüngsten. Dennoch passte U.D.O. perfekt in das Billing und die Festival-Besucher konnten beruhigt mit einem Grinsen ins Bett oder zum nächsten Bierstand mit der Vorfreude auf den nächsten Tag gehen. (mat)

 

 

Samstag, 18.05.2013

Heute enterten die einzigen zwei Frauen des Festivals die Bühne. Eine davon war Kristina Karlsson mit ihrer Band Slingblade, die mit ihrem soliden Heavy Metal einen sympathischen und guten Auftritt hinlegten. (mat)

Mit Horisont wurde es danach noch old-schooliger als sonst, denn die Schweden lockten mit ihrem Classic Rock die Fans der 70er-Jahre vor die Bühne. (mat)

Mustasch

Mustasch

Mustasch ließen Anschluss die Rocksau raushängen und lieferten dem Amphitheater eine fette Show. Im Mittelpunkt: Der latent verrückt wirkende Frontmann Ralf Gyllenhal, der nicht nur mit seinen witzigen (halbdeutschen) Ansagen die Sympathien der Anwesenden gewann. Dazu feuerten die Schweden ein Hitfeuerwerk allererster Güte ab. Knaller wie „Black City“, „Heresy Blasphemy“ oder das endgeile „Double Nature“ eignen sich einfach perfekt für große Bühnen. Und der geile, metallische Rock ’n‘ Roll passte perfekt zu einem gepflegten Nachmittagsbierchen. Nach einer Dreiviertelstunde wurde das Quartett völlig zu recht als eines der bisherigen Festivalhighlights abgefeiert. (mk)

Für Desaster wurde es im Anschluss schwierig, den Stimmungspegel zu halten. Zwar hatten die Black/Thrash-Heroen zweifelsfrei eine ansehnliche Fangemeinde vor der Bühne versammelt. Vielen Anwesenden waren die schroffen Stücke der Truppe auf Dauer jedoch zu monoton, weshalb sich diese lieber für eine kleine Pause am Getränkestand entschieden. (mk)

Naglfar

Naglfar

Naglfar, mit ihrem wunderschönen Backdrop, legten einen massiven und starken Auftritt hin, der nun wieder mehr Abwechslung bot. Mit ihrer aggressiven Musik ließen sie die Köpfe der Menge fliegen und überzeugten durch tighte Spielweise und souveränes Auftreten. (mat)

Nun kam bei Ensiferum die zweite Frau des Tages auf die Bühne und platzierte sich hinter den Keys, wo sie sich jedoch nicht vom Rotorbangen abhalten ließ, während ihre Kollegen der Menge mit den typischen nordischen Klängen des Pagan Metals einheizten. Trotz des Außenseiterstatus im Bezug auf das Musikgenre wurden die Finnen ordentlich abgefeiert und Ensiferum bewies, dass der Billingplatz verdient war. (mat)

DAD

D-A-D

Der riesige Schädel im Hintergrund stellte schon klar, dass die mächtigen D-A-D eine große Show auf die Beine stellen wolletn – und schließlich auch taten. Neben diversen Pyros und Funkenspielen zählte dazu auch ein schick anzusehender Schlagzeug-Stunt, bei dem Drummer Laust im 90°-Winkel nach vorne gekippt wurde und man dem „großen Talent“ (O-Ton Sänger Jesper) quasi von oben beim Spielen zusehen konnte. Doch was nützt das größte Tamtam, wenn die Musik nicht mithalten kann? Glücklicherweise brauchten sich die vier Musiker darüber keine Gedanken zu machen. Wer Kracher vom Schlage „Monster Philosophy“, „Jihad“ oder „Sleeping My Day Away“ im Repertoire hat, kann nichts falsch machen. Tolle Show der Dänen…! (mk)

Queensryche…an die Queensryche nahtlos anknüpften. „Queen Of The Reich“ als Opener, diverse Klassiker als Nachschlag. Ein begeisternder Neusänger Todd La Torre (Ex-Crimson Glory) am Mikrofon und eine tolle Performance. Dazu ein kleiner Ausblick auf kommende, neue Songs (modern, aber durchaus gutklassig!). Was sollte man als Fan mehr erwarten? Eben – nichts! Die US-Amis haben alles richtig gemacht. Wer war nochmal Geoff Tate? (mk)

Sonntag, 19.05.2013

Bei Mitternacht im Mondenschein hätten Attic sicher noch mehr Wirkung erzielt. Doch der Vorteil, im Dunkeln zu spielen, kam heute nur dem großen Vorbild der Gelsenkirchener – King Diamond – zu Gute. Dies machte dem Quintett jedoch nicht das Geringste aus. Im Handumdrehen erspielten sich Attic mit ihren Gruselhymnen die Sympathien der Anwesenden und läuteten den letzten Tag des Festivals würdig ein. (mk)

Statt Heimspiel im Anschluss wohl die Gäste mit dem längsten Anreiseweg: Die Australier von Gospel Of The Horns setzten dem Mittag die schwarze Krone auf. Es gab modrig-ätzenden Thrash Metal mit schwarzmetallischen Einflüssen zu hören, der eine ganze Menge Anhänger fand. (mk)

Trotz unserer Vorurteile legten die sympathischen Jungs von Orden Ogan einen starken Auftritt hin. Besonders sympathisch machte der Schmunzler von Sänger Sebastian „Seeb“ Levermann, als er zur „Fist Of Fate“ aufrief – selbst der viertel Autoreifen auf seiner Schulter konnte diese Emotion nicht widerrufen. (mat)

Nun durften Orchid mit ihrer Black-Sabbath-Musik ran und sie versammelten massig Menschen vor der Bühne. Wie sich herausstellte: zu recht. Die Musik war eingängig, gut gemacht und die Performance solide. (mat)

Tank traten mit einem Aushilfssänger ZP Theart (Ex-Dragonforce) auf, der den Auftritt um einiges aufwertete. Wie immer goss er massenhaft Wasser ins Publikum und rannte auf der Bühne von A nach B und zurück. Musikalisch überzeugten sie alle Fans der New Wave Of British Heavy Metal. (mat)

Threshold

Threshold

Threshold. Was soll man momentan zu dieser Band noch sagen? Besser als die Briten kann man derzeit keinen Prog-Metal live spielen. Damit bestätigte die Truppe ihre bestechende Form der Clubkonzerte und bewies, dass sie auch eine große Bühne im Sturm erobern kann. Einen nicht geringen Anteil daran hatte der enorm gut aufgelegte und erneut weltklasse singende Damian Wilson, der während eines Songs sogar einen kleinen Abstecher auf die Ränge des Amphitheaters machte. Dazu Göttergaben wie „The Rubicon“ – fertig war der Triumphzug. (mk)

Sepultura wurden im Vorfeld von vielen belächelt. Doch auch diese ewig Nörgelnden mussten sich nach Ende des Auftritts eingestehen, dass die Brasilianer eine formidable Live-Band sind. Bei „Arise“ bebte das Amphitheater, bei „Roots Bloody Roots“ tobte ein mächtiger Moshpit, bei „Territory“ gab es kaum einen Nacken, der sich nicht bewegte. Sogar eine seltene Perle wie „Biotech Is Godzilla“ fand ihren Weg in die Setlist. Stark! (mk)

King Diamond

King Diamond

Endlich ist es soweit. Ausverkauftes Haus. Der King kommt. King Diamond.
Mit einem sehr schön gemachten Bühnenbild betraten die Musiker unter lautem Applaus und Sprechchören die Bühne und es folgte ein Feuerwerk an musikalischen und optischen Eindrücken. Nicht nur der King selbst gab Vollgas und nutzte die Bühne zusammen mit seinen Musikern aus, sondern eine Schauspielerin tauchte immer wieder auf, um in diversen Kostümen die Horroratmosphäre zu unterstreichen. Teilweise glich der Auftritt mehr einem Musical als einem Metalkonzert, was uns begeisterte. Das Set war extrem abwechslungsreich gestaltet und die Fans konnten kaum breiter vor Glück grinsen. Ein kleiner Wermutstropfen war, dass der Auftritt schon zehn Minuten vor offiziellem Ende abgeschlossen wurde, aber dennoch war dieser Gig extrem stark. Selbst Zweifler sollten nun ein anderes und vor allem besseres Bild von King Diamond haben und müssen einsehen, dass er der verdiente Headliner des Festivals war. (mat)

Bis nächstes Jahr Rock Hard, bis nächstes Jahr Gelsenkirchen!

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