„Crazy verruuckt African American people“

Verfasst am 08. Juni 2008 von Michael Klein (Kategorie: Konzert-Rezensionen) — 1.174 views

TM Stevens

04.06.08 – Colos-Saal, Aschaffenburg

Geködert durch einige im Vorfeld gestreute Videoschnipsel, wollten wir uns livehaftig überzeugen, ob die von TM Stevens und der Shocka Zooloo Band gespielte wilde Mischung aus Funk und Heavy Metal auf der Bühne genauso gut rüberkommt wie auf Leinwand. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, sie tut es!
Die Band betritt die Bühne und legt bereits mit einem ordentlichen Tempo los, doch der Bassgurt von TM löst sich im 30 Sekunden-Takt und macht es dem Sänger während der ersten drei Songs nicht leicht. Aber der unglaublich sympathische Frontmann lässt sich vom ständigen basteln seines Roadies nicht im Geringsten stören und überspielt die äußerst nervige Angelegenheit mit viel Witz und Charme („I always break my shit“). Höchster Respekt dafür! Andere Musiker wären hier ganz sicher explodiert.
Mit einem improvisiert befestigten Gurt und TMs Feststellung „Yeah man! I love Bass“ geht es dann weiter. Heavy-Metal-Funk-Kracher wie „Up“ oder „Fight, Fight, Fight“ bringen die Anwesenden wieder auf Touren und die Band voll in Fahrt.
Es ist dabei faszinierend, dem Sänger bei seinem Spiel auf die Finger zu sehen – traumwandlerisch sicher und auf Weltklasse-Niveau pumpt er die treibenden Basslinien in den Saal. Schlagzeuger G-Man und Gitarrist Master Blaster halten auf gleichem Level mit und feuern einen wirklich fetten Sound aus den Lautsprechern.
Kleine Solo-Parts der Musiker und Jägermeister-Pausen („It makes me feel more african“) lockern das Konzert auf – obwohl zu diesem Zeitpunkt sowieso schon ein Jeder dem Charisma des Trios erlegen ist. Sogar Colos-Saal-Tontechniker Matthias Wolbert darf bei einem Deep-Purple-Cover auf der Bühne sein Gesangstalent unter Beweis stellen.
Was für ein Spaß – für die Zuschauer, aber auch für die Band, der man die Spielfreude bei jeder Note in den Gesichtern ablesen kann.

Stilistisch ist der pulsierende Sound des Trios schwer zu umschreiben. Die Mischung aus Reggae, Funk und groovigem Heavy Metal erinnert zuweilen an Rage Against the Machine oder auch Dub War. Die enorm kräftige, leicht raue Stimme TMs drückt der Musik aber einen unnachahmlichen Stempel auf. Die Vielseitigkeit kommt wohl daher, dass der Weltkasse-Bassist bereits mit Größen aus allen möglichen Stilrichtungen des Business zusammengearbeitet hat: z.B. Steve Vai, Tina Turner, Yngwie Malmsteen, Joe Cocker oder James Brown. Dieser bunte Cocktail reißt mit und lässt keine Langeweile aufkommen.
Nach etwas mehr als 90 Minuten und einer Zugabe verlassen die O-Ton: „Crazy verruuckt African American people“ die Bühne und hinterlassen die Anwesenden mit einem Grinsen im Gesicht (vor allem bei dem Teenager, der gegen Ende des Konzerts zwischen TM und seinem Bass (passenderweise mit dem Aufdruck „TMs Weapon“) geschnallt ein Bass-Solo spielen durfte).

I am Zooloo! (mk)

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