Opeth – „Still Life“

Verfasst am 23. Juli 2008 von motorbreath (Kategorie: CD-Rezensionen) — 3.354 views

Classic Review

Die Veröffentlichung von Opeths viertem Album, „Still Life“, im Jahre 1999 markierte endgültig die kompromisslose Symbiose von Death und Progressive Metal, die die Band bis zum heutigen Tage so einzigartig macht.
Still Life“ ist ein Konzeptalbum, das sich kritisch mit dem Christentum auseinandersetzt.
Hauptfigur ist ein Heide („The Moor“), der aus Unglauben von seinem Dorf verstoßen wird und nach 15 langen Jahren dorthin zurückkehrt. Gleich zu Beginn demonstriert hier Mikael Åkerfeldt alle Facetten seines Gesangs, von chorähnlichen Clean-Passagen bis hin zu tiefen böse Growls, die zum Teil sehr an das Erstlingswerk „Orchid“ erinnern.
Ähnlich wie das erste Lied endet, so geht es bei „Godheads Lament“ weiter. Doublebass, nervöse Gitarrenlinien und vor allem eins: Stimmbänder, die sehr, sehr tief kommen!
Nach dem anfänglichen Gewitter, das über den Hörer hereinbricht, werden nach der ersten Hälfte Melodien und Gesang unerwartet getragen, akustische Gitarren untermalen die Strophe…und es wird klar, wen der Heide sucht: seine Jugendliebe, Melinda.
Benighted“ geht einen anderen Weg: Fast nur akustische Gitarre, viel Hall, das Schlagzeug kommt erst sehr spät dazu, gespielt mit wunderbarem Feingefühl – er hat Melinda endlich gefunden! Doch sie hat sich verändert…
Sie hat sich der Dorfgemeinschaft angepasst, ein im Stillstand verhaftetes, christliches Volk. Dazu getragene Riffs, ein paar nette Melodien, das übliche also. Das geht in Ordnung, aber so recht im Ohr bleiben mag es mir leider nicht. „Moonlapse Vertigo“ ist trotz des abwechslungsreichen Gesangs eines der schwächeren Stücke auf der CD.
Bei „Face of Melinda“ zeigen sich die Göteborger wieder von ihrer besten Seite. Der leichte Shuffle-Rhytmus auf der Snare geht sofort ins Ohr, doch dann erfährt der Heide, dass Melinda einem Anderen versprochen ist. Dissonanzen sind die Folge. Seine letzte Hoffnung, seine Geliebte noch retten zu können, erstirbt in melancholischen Tönen – und Melindas letzten Zügen.
Was den Hörer dann in „Serenity Painted Death“ erwartet, liegt auf der Hand. Eine blutige und brutale Abrechnung mit seinem alten Dorf. Dazu läuft Mikael Åkerfeldt noch einmal zu Höchst-, oder besser, Tiefstform auf. Erstaunlich an diesem Stück ist, dass es auf schnelle Riffs gänzlich verzichtet, das mag jedoch mit der im Titel erwähnten Gelassenheit (Serenity) zusammenhängen.
White Cluster“ markiert das Ende des Blutbads und des Albums. In einem Stück, das klingt, als wäre es zur Abrundung des Silberlings geschrieben, verweigert sich „The Moor“ der Reue und spricht, wohl durch seinen Blutverlust, in einem traumartigen Zustand, der allerdings schnell zur Realität wird. Er wird verurteilt und zum Galgen geführt.

Hangman, clutching at his tools
I will come for you

The noose is tied
Murmur through the crowd
Plunging into anywhere but here

Cloak-captured sighs of relief
As the primal touch brought me back
And the last sight I did see is still here
Beckoning right behind me

So enden die letzten Zeilen eines Werks, das dem Erbe von Pink Floyd, Rush oder King’s X würdig ist.

Über den Sound auf „Still Life“ kann man sich wohl streiten, immer ein bisschen zu viel Hall, immer ein bisschen blechern…

Jedoch nimmt man den dünnen Sound in Anbetracht dieses Meisterwerks gern in Kauf. (jk)

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Bewertung: 13/15 Punkte
Genre: Progressive Death Metal
Herkunft: Schweden
Label: Peaceville Records
Veröffentlichungsdatum:
18.10.1999
Homepage: www.Opeth.com

Tracklist

  1. The Moor
  2. Godhead’s Lament
  3. Benighted
  4. Moonlapse Vertigo
  5. Face of Melinda
  6. Serenity Painted Death
  7. White Cluster

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