In Extremo – „Saengerkrieg“

Verfasst am 30. Juni 2008 von Michael Klein (Kategorie: CD-Rezensionen) — 1.271 views

Neues Glück

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, der Titel ist keine Kampfansage an die Genrekollegen. Mit „Saengerkrieg“ berufen sich die sieben Musiker auf die im Mittelalter geführten Bardenwettkämpfe auf der Wartburg. Dort versammelten sich vor vielen Jahrhunderten die bekanntesten Minnesänger um mit ihrem Können die Gunst der Anwesenden für sich zu gewinnen – ähnlich wie bei den unsäglichen Casting-Shows in der heutigen Zeit.

Durch diesen aktuellen Bezug könnte man sagen, dass die Band einen Schritt weit weg vom Mittelalter gemacht hat und der Neuzeit näher gekommen ist. Das sehr gelungene Artwork als Mischung aus alten Kupferstichen und eingeflochtenen technologischen Entwicklungen unterstreicht dies. Die antike und verträumte Atmosphäre des letzten Albums „Mein rasend Herz“ ist einer moderneren Thematik gewichen, was sich auch musikalisch auswirkt. Die 14 Stücke von „Saengerkrieg“ sind nur wenig ausgeschmückt, allesamt kurz und knackig arrangiert und in regelrecht hartem und rohem Gewand – was nicht heißen soll, dass die typischen Dudelsackeinsätze fehlen. Diese sind nur wesentlich effektiver eingesetzt als dies auf den älteren Platten der In Extremos der Fall war. Nachzuhören kann man dies beispielsweise auf der aktuellen Single „Frei zu sein“ oder dem mit Gastsänger José Andrea (Mägo de Oz) aufgenommenen „En esta noche“.

An den Songtexten werden sich in gewohnter Weise die Geister scheiden. Wie immer pendeln diese zwischen großer Klasse („Mein liebster Feind“) und für meinen Geschmack eher beschämender Peinlichkeit (wie z.B. der „Eins Zwei Eins Zwei, Eins Zwei Drei“-Singsang in „Sieben Köche“ oder die typischen Selbstbeweihräucherungen „…ein In Extremo wird niemals knien…“ wie im Titelstück) – jedoch wird sich davon kein Fan vergraulen lassen.

Mit „Saengerkrieg“ hat das Septett wieder einmal ein gelungenes Album abgeliefert, das im Vergleich zum starken Vorgänger zwar keinen Quantenschritt darstellt, aber etwa auf gleicher Stufe anzusiedeln ist. Außerdem beinhaltet es mit „Neues Glück“ einen der für mich besten In-Extremo-Songs der Bandgeschichte. Wer die Band bisher nicht mochte, wird sich auch jetzt nicht überzeugen lassen – wer sie bisher mochte, kann aber bedenkenlos zugreifen. (mk)

91697852e5e4fc8652f5c6ce9faa1fe6_full

Bewertung: 7/15 Punkte
Genre:
Folk Metal
Herkunft: Deutschland
Label: Universal Music
Veröffentlichungsdatum:
09.05.2008
Homepage: www.InExtremo.de

Tracklist

  1. Sieben Köche
  2. Sängerkrieg
  3. Neues Glück
  4. En Esta Noche
  5. Mein Sehnen
  6. Flaschenpost
  7. Requiem
  8. Frei zu Sein
  9. Zauberspruch
  10. In diesem Licht
  11. Tanz mit mir
  12. An End Has An Start
  13. Mein liebster Feind
  14. Auf’s Leben

Tags: ,

Hinterlasse eine Antwort

*